Patronat: Toulouse, Edinburgh, Graz, Nürnberg, Osnabrück, Braunschweig u. a.; einer der Vierzehn Nothelfer; des Viehs, der Hirten, Jäger, Pferdehändler, stillenden Mütter, Schiffbrüchigen, Aussätzigen, Bogenschützen und Bettler; gegen eheliche Unfruchtbarkeit, Epilepsie, Geisteskrankheiten, Pest; für eine gute Beichte; wird angerufen bei Dürre, Feuer, Sturm, Unglück, Todesfurcht, in seelischer Not und Verlassenheit als Patron von Krankenhäusern
in ganz Europa als volkstümlicher Heiliger verehrt
Über das Leben des Heiligen Ägidius ist nicht viel bekannt. Nach der Legende stammte er aus Athen und war von vornehmer Herkunft. Sicher ist aber, dass er Ende des 7. oder Anfang des 8. Jahrhunderts in Südfrankreich ein Kloster gründete, dem er bis zu seinem Tod um 720 als Abt vorstand und das später nach ihm St. Gilles benannt wurde. Zuvor soll er im Rhône-Delta als Einsiedler in einer Höhle gelebt und sich von der Milch einer Hirschkuh genährt haben. Bei einer Jagd des Westgotenkönigs Wamba soll er entdeckt und von einem Pfeil verletzt worden sein, weil er sich schützend vor das Tier stellte. Als Wiedergutmachtung soll ihn der Fürst nach seiner Genesung bei der Klostergründung unterstützt haben.
Eine weitere Legende (von vielen) erzählt von einem Klosterbruder, der an der Jungfräulichkeit der Gottesmutter Maria zweifelte und drei Fragen in den Sand schrieb. Als Antwort Ägidius’ erblühten drei weiße Lilien.
Ägidius’ Grab liegt an einem wichtigen Zweig des Jakobswegs nach Santiago de Compostela (Nordwestspanien) und war bereits im 11. Jahrhundert ein berühmter Wallfahrtsort, um den sich das Städtchen St. Gilles (am Rande der Camargue westlich von Arles) entwickelte. In den Hugenottenkriegen des 16. Jahrhunderts wurde die Benediktinerabtei jedoch zerstört. Nur die Kirche und die mächtige Krypta mit dem Steinsarkophag des Heiligen blieben erhalten. Die (meisten) Gebeine von Ägidius, der seit dem 15. Jahrhundert einer der Vierzehn Nothelfer ist, wurden nach Toulouse überführt, wo die Reliquien noch heute in der Kirche Saint-Sernin liegen. Zeugnisse von der großen Bedeutung des Kultes um Ägidius im Mittelalter auch im deutschen Sprachgebiet sind zahlreiche Ortsnamen in Österreich (z. B. St. Ägyd, Gilgenberg, Gillersdorf, St. Gilgen, St. Ilgen) und Deutschland (z. B. Gillenberg, Gillenbeuren, Gillenfeld, Ilgesheim). Vielerorts gibt es noch immer Wallfahrten zu Ägidiuskirchen, vor allem der Bauern und Jäger, und mancherorts wird am Ägidius-Tag (Egiditag, Egidii, Gilgentag), der im 13. Jahrhundert von Papst Urban IV. auf den 1. September festgelegt wurde, dem Vieh geweihter Fenchel ins Futter gegeben.
Darstellung: als Eremit oder als Benediktinerabt im schwarzen Habit
Attribute: Pfeil (in Brust oder Arm), Hirschkuh, Höhle

Quelle: Herder-Verlag