Grießen und Santa Fé

25.08.2026 | Eine Partnerschaft, die weitergetragen wird

Eine elfköpfige Delegation aus Santa Fé in Brasilien war am Montag, 24. August 2026, gemeinsam mit Personen des Hilfskreises Padre Antonio aus Grießen zu Gast bei Hauptabteilung 5 des Erzbischöflichen Ordinariates Freiburg. Die Gäste berichteten dabei den Mitarbeitenden im Bereich Weltkirche von einer Partnerschaft, die seit 38 Jahren besteht und die Weitergabe an nächste Generationen geschafft hat.

Die Partnerschaft Grießen – Santa Fé

Seit 1988 verbindet Klettgau-Grießen am Hochrhein eine Partnerschaft mit Santa Fé im brasilianischen Bundesstaat Paraná. Ihren Anfang nahm sie mit Padre Antônio José de Almeida, der zeitweise in Grießen wirkte und nach seiner Rückkehr nach Brasilien Pfarrer in Santa Fé wurde. Der Kontakt in die Erzdiözese riss nicht ab. Gemeinsam mit Menschen vor Ort entstanden soziale und pädagogische Angebote. In Grießen formierte sich der Hilfskreis Padre Antonio, der diese Arbeit fortan unterstützte. Im Laufe der Jahrzehnte entstanden beziehungsweise entwickelten sich unterschiedliche Einrichtungen weiter. Heute gehören dazu unter anderem die Escola Oficina do Cidadão do Amanhã (EOCA) mit Angeboten für Kinder und Jugendliche, das Centro de Educação Infantil Griessen für jüngere Kinder, die als Logo den Griessener Kirchturm trägt, und das Centro de Convivência do Idoso für ältere Menschen.
Finanziert wird die Arbeit auf beiden Seiten durch Spenden, Patenschaften und vielfältige Aktionen. In Santa Fé backen und verkaufen sie etwa Pizzen und veranstalten Tombolas und auch in Grießen sammeln Engagierte unter anderem bei Veranstaltungen Geld für die Projekte.

Mit der Partnerschaft aufgewachsen

38 Jahre sind lange genug, dass aus Kindern Erwachsene und aus einer Gründerinnen- und Gründergeneration deren Nachfolgerinnen und Nachfolger werden. Die Erfahrung zeigt, dass das alles andere als selbstverständlich ist, so suchen viele langjährig bestehende Gruppen nach Menschen, die den Staffelstab übernehmen. In diesem Falle ist es allerdings gelungen: Felix Spitznagel, der 2021 die Koordination auf deutscher Seite übernommen hat, ist mit der Partnerschaft großgeworden, er kennt die Verbindung über Eltern und Onkel. Auf brasilianischer Seite zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. Im Gespräch wurde deutlich, dass Menschen, die als Kinder oder Jugendliche selbst mit den Einrichtungen und der Unterstützung aus der Partnerschaft in Berührung gekommen sind, heute an deren Weiterentwicklung mitarbeiten.

Veränderung gehört dazu

Besonders beeindruckend findet Felix Spitznagel zu sehen, wie die Verantwortlichen in Santa Fé ihre Arbeit immer wieder an neue Bedingungen anpassen. So sei faszinierend zu sehen, wie die Menschen vor Ort mit sich ändernden Vorgaben für soziale Einrichtungen, wachsende Anforderungen, der Notwendigkeit, Strukturen und Konzepte weiterzuentwickeln, umgingen. Auch die Zusammenarbeit wird als gut funktionierendes System beschrieben: In Santa Fé schaffen sie die Strukturen, Grießen trägt dazu bei, dass Entfaltung darin voll möglich ist.
Auch durch die Veränderungen im Zuge der Kirchenentwicklung 2030 werde man auf Herausforderungen gestoßen. So konnten durch Umstellungen von Verwaltungs- und Rechnungswegen über Monate hinweg Spendengelder nicht wie gewohnt nach Brasilien weitergeleitet werden. Gerade für kleine Projekte ist eine solche Unterbrechung potentiell genickbrechend. Dennoch herrscht Hoffnung und Zuversicht. Ab September soll der Transfer wieder möglich sein und stets wird weiter nach neuen und unbekannten Wegen gesucht, um Wandel gerecht zu werden.

Nicht fremd, sondern Familie

Weihbischof Dr. Peter Birkhofer würdigte das langjährige Engagement und betonte den Aspekt des gegenseitigen Lernens, der in dieser Partnerschaft so sehr gelebt und erlebt werde. Als Geschwister des einen Vaters fühlen sich die in der Gruppe Aktiven tatsächlich. So erzählt Wander José de Matos, Präsident des Vereins auf brasilianischer Seite, dass er sich während seines Aufenthalts in Deutschland als Teil einer Familie erlebt habe, gerade auch, als er wegen gesundheitlicher Probleme mit seinem Bein auf mehr Unterstützung angewiesen war.
Zeiten und Umstände ändern sich. Bei der Gruppe war der Wille und die Bereitschaft zu spüren, immer wieder gemeinsame Wege zu finden, dass der Einsatz weiter und noch lange Erfolg hat.
 
(dk)