Pape Dieye verbindet Musikrichtungen und damit auch Menschen

Pape Dieye ist Instrumentalist, Sänger und Komponist aus dem Senegal. Er beherrscht neben zahlreichen afrikanischen Percussion-Instrumenten auch die westafrikanische Harfe Ngoni. 
Pape studierte Kunst und Musik in Dakar und in Paris, wo er dann mehr als 20 Jahre sehr erfolgreich mit internationalen Jazzgrößen arbeitete. Seinen Erfolg hat er in der Heimat Senegal geteilt. Er hat auf einem eigenen Grundstück ein soziokulturelles Zentrum aufgebaut. Dort fördert er Kinder und Jugendliche, denn nicht alle senegalesischen Eltern können ihren Kindern eine musikalische Ausbildung bieten.
 
Seit 2010 pendelte Pape Dieye zwischen Dakar, Paris und Deutschland. Nach der Corona Pandemie zog er endgültig nach Freiburg. Hier gastiert er regelmäßig beim Jazzchor Freiburg, dem Philharmonischen Orchester Freiburg und gibt Meisterklassen in der Musikhochschule. Mittlerweile ist er auch hier und in der Umgebung bekannt für seine Arbeit und wurde bereits mit dem Preis des ZMF-Festivals ausgezeichnet.
 
Obwohl Pape bereits durch seine Arbeit in Paris auch in Freiburg gut vernetzt war, war es zu Beginn nicht leicht für ihn. Einen Proberaum zu finden ist schwer in Freiburg, für schwarze Musiker:innen aber besonders. Insgesamt erlebt Pape in seinem Alltag viele kleine Momente alltäglicher Ausgrenzung und rassistischer Herabsetzung. Er wird oft missverstanden, was er sehr schwierig findet. Er glaubt, dass Menschen einfach Angst vor dem Unbekannten haben, wenn sie sich vor anderen zurückhalten.
 
Ganz anders aber im Mehrgenerationenhaus EBW Weingarten. Hier ist Pape Menschen begegnet, die ihn einfach als Musiker und Mensch sehen und für die seine Herkunft keine Rolle spielt. Seitdem hat er seinen Proberaum in Weingarten, wovon beide Seiten profitieren. Pape macht so manche Veranstaltung durch seine Musik noch lebendiger und unterhaltsamer. Darin zeigt sich, wie Integration im Alltag gelingen kann: nicht als abstraktes Konzept und nicht als Erwartung an Menschen, sich einzufügen. Sondern indem Menschen einander etwas ermöglichen, ihre Fähigkeiten einbringen und gemeinsam etwas entstehen lassen.
 
Pape Dieyes Musik lässt sich nicht in eine Kategorie pressen. Er hat eine klassische Ausbildung genossen und kann genauso gut improvisieren oder verschiedene Musikrichtungen miteinander verschmelzen. Seine Instrumente baut er oft selbst und teilweise erfindet er sogar neue, indem er sich von verschiedenen Kulturen inspirieren lässt. Sogar ein Alphorn ist darunter. Als schwarzer Alphornbläser dürfte er in Freiburg ziemlich einzigartig sein. Doch Pape spielt das Instrument nicht einfach so, wie man es aus den Alpen kennt. Er experimentiert damit, entlockt ihm Klänge und Rhythmen, die an ein Didgeridoo erinnern, und verbindet es mit musikalischen Traditionen aus Westafrika. Wie die Schweizer das finden, da ist er sich selbst nicht so sicher.
 
Doch ihm ist für seine Musik wichtig, dass sie von Herzen kommt und auch die Herzen des Publikums erreicht. Durch gute Technik allein kann das nicht gelingen, vielmehr geht es um die Verbindung zu den Menschen, die zuhören. „Man muss das Publikum mit auf eine Reise nehmen“, sagt er. Auf dieser Reise lässt er musikalische Kategorien immer wieder hinter sich. Afrikanische Musik hier, europäische Musik dort? Jazz, Tradition, Klassik? Für ihn sind solche Grenzen uninteressant. Viel spannender ist die Frage, was passiert, wenn unterschiedliche Klänge und Traditionen aufeinandertreffen.
 
Vielleicht steckt darin ein Gedanke, der weit über die Musik hinausgeht. Denn auch Menschen werden schnell in Kategorien eingeordnet: nach Herkunft, Sprache oder Hautfarbe. Pape Dieyes Musik zeigt, wie bereichernd es sein kann, solche Grenzen nicht als unverrückbar zu betrachten. Unterschiede müssen nicht verschwinden, damit Verbindung entsteht. Im Gegenteil: Gerade aus ihnen kann etwas Neues wachsen. Integration bedeutet dann nicht, dass am Ende alle gleich klingen. Sie bedeutet, einander zuzuhören, neugierig aufeinander zu sein und einen gemeinsamen Rhythmus zu finden, ohne die eigene Stimme aufzugeben.
 
Mitten in Freiburg Weingarten ist das Mehrgenerationenhaus EBW ein lebendiger Ort der Begegnung, Vielfalt und Solidarität. Hier kommen Menschen aller Altersgruppen zusammen: Beim Mittagstisch, dem Kulturangebot, beim Reparatur-Café, den Angeboten für Familien oder unseren vielfältigen weiteren Angeboten. Rund 150 Engagierte gestalten das Haus mit, bringen Ideen ein und schaffen Räume für Austausch und Gemeinschaft.
 
Wenn Sie Pape Dieye live erleben möchten, besuchen Sie am 9. Oktober das Mehrgenerationenhaus EBW Weingarten, dort spielt er um 19:30 Uhr mit dem What Elz Sound Orchestra