Der Leib Christi!

08.06.2026 |

Wir sind als Gemeinschaft der Glaubenden ein Leib mit vielen Gliedern.
An Fronleichnam wird das besonders deutlich: Geflüchtete Christinnen und Christen aus Syrien tragen mit Stolz die stattlichen Fahnen zur Prozession.
 
 

Bereits um 5:30 am Morgen versammeln sich neben den üblichen HelferInnen über ein Dutzend Geflüchteter aus Nigeria, Togo, Guinea, Iran, Irak, um die Blumenteppiche zu legen, die Technik aufzubauen und die Bänke aufzustellen. Alles geht Hand in Hand – zur Ehre Gottes und zum Wohle der Gemeinschaft.
 
Später bei der Prozession sorgen die Geflüchteten für den Blütennachschub der Erstkommunionkinder und auf dem Marktplatz heizen 5 Musikerinnen und Musiker aus Togo die Betenden mit Trommelrhythmen und Gesang ein. Der Abbau geht fix, eine zweite Arbeitsschicht Geflüchteter hat sich eingefunden. Für die Helferinnen und Helfer wird gegrillt. Es wirkt wie ein friedliches, großes Glaubensfest.
 
Doch hinter den Kulissen blutet der Leib Christi:
Rahel aus Togo kann nicht dabei sein, weil sie einige Tage zuvor aus dem Krankenhaus heraus abgeschoben wurde. Bis auf 3 Ausnahmen sind alle anderen Helfer und Künstler von Abschiebung bedroht. Täglich prasseln neue Hiobsbotschaften auf sie nieder: Die Kinder stecken im Kriegsgebiet fest; der Vater liegt im Sterben in der Heimat, doch es gibt keine Chance, ihn noch einmal zu umarmen, geschweige denn Geld für eine medizinische Behandlung zu schicken; der Ausbildungsplatz ist bedroht wegen der langsamen Bearbeitung des Arbeitsgenehmigungsantrags; der Asylantrag wird abgelehnt, obwohl Eltern und Geschwister bei einem Massaker ums Leben kamen – unsere Regierung meint, dass man auch als einziger Überlebender der Familie getrost wieder in der Heimat Fuß fassen könne und dort keinerlei Gefahr oder Verelendung drohe.
 
Wenn die geflüchteten Menschen vor dem heiligen Sakrament ihre Knie beugen, dann mischen sich in die Anbetung verzweifelte Schreie nach Gerechtigkeit, Frieden, Sicherheit und Liebe.         
Jeder von uns, der schon mal einen klitzekleinen Spreißel im Fuß hatte, weiß: wenn ein Teil des Leibes schmerzt, geht es dem ganzen Körper nicht gut.
Schauen wir auf unsere Gemeindemitglieder auf der Flucht: Der Schmerz an dieser Stelle ist bereits jetzt unerträglich. Und täglich gibt es noch eine Steigerung. Mir scheint, dass der ganze Rest des Leibes mit starken Schmerzmitteln betäubt sein müsste, wie sonst könnte man das Elend mit derartiger Gleichgültigkeit betrachten?