40 Jahre Peru-Partnerschaft – seit 1986 besteht eine Partnerschaft zwischen der Erzdiözese Freiburg und der Kirche von Peru. Eine Delegation aus dem Erzdiözese Freiburg mit Erzbischof Stephan Burger und Weihbischof Dr. Peter Birkhofer reist im Jubiläumsjahr gemeinsam mit Landesbischöfin Prof. Heike Springhart, Evangelische Landeskirche in Baden, vom 15. - 23. Juli in das südamerikanische Land. Eindrückliche Begegnungen und Stationen der Partnerschaft sind dabei zentrale Pfeiler der neuntägigen Reise.
Ein bewegender Tag der Reise war der Dienstag (21. Juli): Die Delegation besuchte das Erdbebengebiet Pumpunya, einen kleinen Ort bei Chongos Bajo, der von dem Erdbeben besonders schwer getroffen wurde. Die Folgen sind dort deutlich sichtbar: Häuser sind eingestürzt oder stark beschädigt, Schutt liegt an den Straßen, Lastwagen bringen Hilfsgüter und Räumfahrzeuge transportieren Trümmer ab. Polizei, Militär, Behörden und Hilfsorganisationen sind im Einsatz. Viele Familien schlafen weiterhin in Zelten, weil ihre Häuser unbewohnbar sind oder sie sich aus Angst vor weiteren Erdstößen nicht hineinwagen. Die Erzdiözese Huancayo arbeitet gemeinsam mit Caritas und den zuständigen Behörden daran, die Hilfe zu koordinieren und die betroffenen Familien zu begleiten. Der Unterstützungsbedarf wird noch lange bestehen bleiben.
Im Mittelpunkt des Besuchs stand das gemeinsame Totengebet mit den Angehörigen der Verstorbenen. Drei Menschen waren in Särgen aufgebahrt. Familienangehörige, Freundinnen und Freunde haben sich um sie versammelt und begleiten sie einen Tag und eine Nacht im Gebet. Erzbischof Luis Alberto Huamán Camayo, der seit 2024 Erzbischof von Huancayo ist, erinnerte an die Bedeutung der vielen Kerzen neben den Särgen. Das Licht begleite einen Menschen von der Taufe an durch sein Leben. Auch im Tod erlösche dieses von Gott geschenkte Licht nicht. Die Verstorbenen leuchteten ihren Angehörigen nun aus der Ewigkeit und könnten auch den Trauernden ein Licht in diesen schweren Tagen sein.
Erzbischof Stephan Burger sprach den Familien seine Anteilnahme aus: „Wir sind mit Ihnen verbunden in Ihrem tiefen Schmerz.“ Angesichts eines solchen Verlustes dränge sich der Schrei Jesu am Kreuz auf: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Auch Christus habe den Schmerz dieser Welt erfahren. Der christliche Glaube vertraue darauf, dass seine Liebe stärker sei als der Tod und die Menschen über diese irdische Welt hinaus miteinander verbinde. Erzbischof Stephan Burger bat um Kraft und Trost für die Hinterbliebenen und um eine Heimat bei Gott für die Verstorbenen.
Anschließend betete die deutsche Delegation das Vaterunser auf Deutsch. Während des Gebets war erneut eine Bewegung der Erde zu spüren. Die Reaktion der Anwesenden zeigte, wie tief die Erfahrungen der vergangenen Tage sitzen. Menschen schreckten auf, Unruhe breitete sich aus. Die Sorge vor weiteren Erdstößen begleitet die Menschen ständig.
Stationen der Zerstörung und Hoffnung
Beim anschließenden Rundgang durch Pumpunya wurde das Ausmaß der Zerstörung sichtbar, ebenso beobachtete die Delegation eine große Hilfsbereitschaft. Nachbarinnen und Nachbarn räumen gemeinsam auf, teilen Lebensmittel und kümmern sich um besonders betroffene Familien. Verwandte aus umliegenden Dörfern bringen Zelte und Dinge des täglichen Bedarfs. Zu den vielen Zeichen der Solidarität gehören auch bedrückende Erfahrungen. Menschen berichten von Diebstählen in den zerstörten Häusern und von Personen, die sich als Helfer ausgeben.
Erzbischof Stephan Burger und Landesbischöfin Heike Springhart zeigten sich nach der Begegnung tief bewegt. Die offenen Särge und die zerstörten Häuser führten ihnen die Zerbrechlichkeit menschlichen Lebens vor Augen. In einer solchen Situation könne die Delegation vor allem bei den Menschen sein, mit ihnen beten und materielle Hilfe ermöglichen, erklärte die evangelische Landesbischöfin von Baden. Erzbischof Stephan sprach von der Verantwortung der großen Menschheitsfamilie füreinander und von der Bewahrung der Schöpfung. Angesichts der offenen Särge werde spürbar, wie angewiesen Menschen aufeinander und wie abhängig sie von der Natur seien. Er wünsche den Betroffenen, dass sie sich von Gottes Liebe getragen wissen und neue Kraft für die Zukunft finden.
Von Freiburger Seite ist finanzielle Unterstützung für die Hilfe im Erdbebengebiet vorgesehen. Die langjährige Partnerschaft mit Peru bekommt damit eine sehr konkrete Bedeutung.
Die Delegation besuchte ebenso die historische Iglesia Matriz Santiago León in Chongos Bajo. Die Kirche wurde 1565 unter Mitwirkung der damaligen indigenen Dorfgemeinschaften errichtet und zählt zu den ältesten Gotteshäusern der Region. Das Gebäude besitzt für die Menschen eine hohe religiöse, kulturelle und künstlerische Bedeutung. Das Erdbeben hat damit auch ein wichtiges Zeugnis der Geschichte Chongos Bajos getroffen.
Nach dem Vormittag im Erdbebengebiet fuhr die Delegation weiter zu einer Schule in einer abgelegenen ländlichen Gemeinde. Kinder, Jugendliche, Lehrkräfte und Familien empfingen die Gäste und hatten ein gemeinsames Mittagessen vorbereitet. Nach den schweren Eindrücken des Vormittags bot das gemeinsame Essen Raum für Begegnungen und Gespräche. Die Schule gehört zu den Einrichtungen, die von der pastoralen und sozialen Arbeit der Pfarrei und von einzelnen Partnerschaftsprojekten profitieren.
Die Partnerschaftsarbeit in Chupaca
Zurück in Chupaca berichteten die Verantwortlichen der Pfarrei und der Partnerschaftsgruppe von ihrer Arbeit. Seit einigen Jahren besteht eine Verbindung zur Partnerschaftsgruppe in Zeutern. Die vorgestellten Projekte der Partnerschaftsgruppe verbinden Katechese, Bildung und soziale Unterstützung. So werden beim Projekt „Pan para compartir“ über die Bäckerei Frühstücke für Schulkinder hergestellt. Zu Beginn des Schuljahres erhalten rund 2200 Kinder Schulmaterialien. Einige der beteiligten Schulen liegen weit entfernt, sodass die Verteilung mit langen Wegen verbunden ist. Auch die Katechese in den ländlichen Gebieten gehört zu den Schwerpunkten. Kinder und Jugendliche sollen die Pfarrei als Gemeinschaft kennenlernen und ihren Glauben gemeinsam leben können. In der Bäckerei finden Kurse statt, bei denen Kinder und Jugendliche Brot, Kuchen und Torten herstellen. Mit den Einnahmen aus der Bäckerei können kleinere Ausgaben der Pfarrei finanziert werden, etwa Renovierungsarbeiten an Kirchengebäuden.
Weitere Angebote an Schulen vermitteln praktische Kenntnisse im Nähen und im Schreinerhandwerk. Ein ökologisches Projekt beschäftigt sich mit dem Pflanzen von Bäumen und dem Anbau von Gemüse. Ein weiteres Angebot richtet sich an Menschen mit Behinderung. Sie treffen sich regelmäßig, beschäftigen sich mit Glaubensthemen und mit der Bewahrung der Schöpfung, stellen eigene Produkte her und essen gemeinsam. Der Verkauf ihrer Erzeugnisse ermöglicht ihnen ein kleines Einkommen.
Zu Weihnachten verteilen die Verantwortlichen warme Kleidung an Kinder. Panettone werden auch zu abgelegenen Schulen gebracht, damit jedes Kind einen mit nach Hause nehmen kann.
Freude und Leid an einem Tag
Am Abend feierte die Gemeinde gemeinsam mit der Delegation Eucharistie. In seiner Predigt griff Erzbischof Stephan Burger die Erfahrungen des Tages auf. Am Morgen habe die Delegation in Pumpunya Trauer, Tod und Zerstörung erlebt. Am Nachmittag sei sie Kindern, Jugendlichen und einer lebendigen Gemeinschaft begegnet. Freude und Leid seien an diesem Tag eng zusammengerückt. Die Frage nach dem Grund einer solchen Katastrophe lasse sich nicht einfach beantworten. Die biblischen Texte sprächen jedoch von der Sehnsucht nach Heimat, Geborgenheit und einer heilen Welt. Gott rufe die Menschen dazu auf, gemeinsam an der Erfüllung dieser Sehnsucht zu arbeiten. Dabei erinnerte er an das Evangelium des Tages: Wer den Willen des Vaters tue, gehöre zur Familie Jesu. Dieser Wille Gottes zeige sich in der gelebten Liebe, in Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und gegenseitiger Unterstützung.
Die Partnerschaft zwischen der Erzdiözese Freiburg und den peruanischen Ortskirchen gebe dieser Verbundenheit seit 40 Jahren eine konkrete Gestalt. Menschen unterstützten einander in ihrer Arbeit, trügen sich in schwierigen Zeiten und beteten füreinander. Erzbischof Stephan dankte der Gemeinde für ihre Gastfreundschaft und Herzlichkeit.
Als Zeichen dieser Verbundenheit überreichte er Erzbischof Luis Alberto eine Stola. Sie trägt ein Kreuzmotiv mit Bezug zum Freiburger Münster und ein Zeichen der Gottesmutter Maria, unter deren Patronat die Erzdiözese Freiburg steht. Beide Symbole sollen die Partnerschaft in die Zukunft begleiten.
(Dorothée Kissel/kas)























