Freiburg. Während die Zahl der Menschen in humanitärer Not weltweit steigt, zieht sich Deutschland zunehmend aus seiner internationalen Verantwortung zurück. Darauf weist Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, anlässlich der Veröffentlichung seines Jahresberichts 2025 hin. Trotz einer anhaltend hohen privaten Spendenbereitschaft musste das Hilfswerk seine Unterstützung für 436.000 Menschen einstellen, weil staatliche Fördermittel deutlich zurückgegangen sind.
2025 sind Caritas international 39,9 Millionen Euro an privaten Spenden anvertraut worden. Damit blieb das Ergebnis trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage nahezu stabil. Im Vorjahr waren es 40,1 Millionen Euro gewesen. Deutlich gesunken sind hingegen die Mittel des Auswärtigen Amts und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für die Hilfen von Caritas international: von 50,5 Millionen Euro auf 39,8 Millionen Euro. Insgesamt wurden Caritas international im vergangenen Jahr 88,6 Millionen Euro für 595 Hilfsprojekte in 67 Ländern anvertraut.
„Unser Jahresbericht zeigt zwei sehr unterschiedlichen Entwicklungen“, sagt Oliver Müller, Leiter von Caritas international. „Auf der einen Seite erleben wir eine beeindruckende Solidarität der Menschen in Deutschland. Auf der anderen Seite kürzt der Staat seine Unterstützung ausgerechnet in einer Zeit, in der humanitäre Hilfe dringlicher und gefährlicher wird.“
Wie entscheidend eine verlässliche und langfristige Finanzierung humanitärer Hilfe ist, zeigt aktuell das verheerende Erdbeben in Venezuela. Nach derzeitigem Stand sind mehr als 4.800 Menschen ums Leben gekommen, rund 50.000 Menschen werden noch vermisst. Seit den Beben vom 24. Juni versorgt die Caritas Venezuela die Betroffenen mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Hygieneartikeln und Medikamenten. Zugleich versorgen die Mitarbeitenden alte und kranke Menschen und begleiten traumatisierte Familien. Mehr als 70.000 Menschen konnten bislang erreicht werden.
Dass die Caritas unmittelbar und bis in abgelegene Regionen hinein helfen kann, ist das Ergebnis eines über Jahrzehnte aufgebauten Netzwerks. Die Caritas Venezuela ist landesweit an rund 600 Standorten präsent und wird von etwa 30.000 größtenteils freiwilligen Helferinnen und Helfern getragen. „Wirksame Hilfe beginnt nicht erst, wenn eine Katastrophe eintritt“, betont Eva Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes. „Sie braucht dauerhaft tragfähige lokale Strukturen, erfahrene Partner und eine verlässliche Finanzierung. Werden diese Strukturen durch kurzfristige Kürzungen geschwächt, fehlt im entscheidenden Moment die Grundlage für schnelle und wirksame Hilfe.“
(Caritas international)





