Erzdiözese Freiburg engagiert sich für Schutz indigener Gemeinschaften im Amazonasgebiet

05.05.2026 | Projekt der Sozialpastoral in Nordperu unterstützt Awajún und Wampis beim Schutz von Territorium und Umwelt

Mit der Förderung eines zukunftsweisenden Vorhabens im Apostolischen Vikariat San Francisco Javier von Jaén setzt die Erzdiözese Freiburg ein klares Zeichen internationaler Solidarität  für den Erhalt der Lebensgrundlagen indigener Gemeinschaften und die Bewahrung eines bedrohten Ökosystems.

 
Seit Jahrzehnten unterstützt das Vikariat die Menschen in den schwer zugänglichen Regionen entlang der Flüsse Cenepa und Comaina und stellt damit oftmals die einzige Institution dar, die sich verlässlich für die Menschen vor Ort einsetzt. In enger Partnerschaft mit den indigenen Gemeinschaften engagiert es sich für Menschenrechte, kulturelle Selbstbestimmung und den Erhalt der natürlichen Lebensräume. Angesichts der dramatischen Auswirkungen von Klimawandel und illegaler Ressourcenausbeutung gewinnt der Schutz der Schöpfung dabei zunehmend an Dringlichkeit.
 
Der Druck auf die Region ist erheblich: Mehr als 70 illegale „Dragas“ (Boote mit speziellen Vorrichtungen zur Goldgewinnung im Flusssediment) greifen massiv in das empfindliche ökologische Gleichgewicht ein. Der Einsatz von Quecksilber und anderen Giftstoffen hat Flüsse großflächig kontaminiert, mit schwerwiegenden Folgen für Fischbestände und die Gesundheit der Bevölkerung. Zugleich verschärfen wirtschaftliche Abhängigkeiten, Gewalt, Menschenhandel und soziale Spannungen die Lage und gefährden den Zusammenhalt der Gemeinschaften.
 
„Die Situation ist existenziell. Es geht nicht nur um Umweltzerstörung, sondern um das Überleben ganzer Kulturen“, betont Sonia Pastor, Projektverantwortliche vor Ort.
 
Als Antwort auf diese Bedrohungen haben sich 63 indigene Gemeinden in der Organisation ODECOFROC (Organización de Desarrollo de las Comunidades Fronterizas del Cenepa) zusammengeschlossen. Gemeinsam treten sie für den Schutz ihres Territoriums und gegen die Ausbeutung ihrer Ressourcen ein.

„Die Zerstörung des Regenwaldes und unserer Lebensgrundlagen gefährdet nicht nur die Existenz unseres Volkes. Die Folgen von dem was hier passiert, reichen weit über unsere Region hinaus mit Konsequenzen für das weltweite Klima. Der Schutz des Amazonas ist daher eine gemeinsame Verantwortung“, sagt Dante Sejekam, Präsident von ODECOFROC. Gemeinsam mit Sonia Pastor war er im vergangenen Jahr zu Gast in Freiburg, um über die Situation vor Ort zu berichten und den internationalen Austausch zu stärken.

Das geförderte Projekt stärkt gezielt diese lokalen Strukturen. Ein zentrales Element ist der Aufbau einer indigenen kommunalen Polizei, die illegale Aktivitäten eindämmen und das Gebiet schützen soll. Umfassende Schulungen in Menschenrechten, Umweltrecht und Konfliktprävention bereiten die Einsatzkräfte auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe vor.

Besondere Aufmerksamkeit gilt auch den Frauen der Gemeinschaften, die in besonderem Maße von Gewalt und Ausbeutung betroffen sind. In geschützten Räumen erhalten sie Unterstützung, tauschen Erfahrungen aus und entwickeln neue Perspektiven zur wirtschaftlichen Eigenständigkeit – etwa durch traditionelle Keramikarbeit, die kulturelles Erbe und Einkommensmöglichkeiten verbindet.
Auch junge Menschen werden aktiv eingebunden: Bildungsprogramme an Schulen sowie neue Partnerschaften im Bildungsbereich fördern Umweltbewusstsein, kulturelle Identität und Führungsfähigkeiten. Gleichzeitig wird der Zugang zu Aus- und Weiterbildung für Lehrkräfte verbessert, um die Bildungsqualität in der Region nachhaltig zu stärken.
 
Parallel dazu wurden neue Kooperationen aufgebaut, etwa mit der für Menschenrechte zuständigen Staatsanwaltschaft in Bagua, um den Schutz von Umweltverteidigerinnen und -verteidigern zu verbessern. Staatliche Institutionen wie Justiz und Staatsanwaltschaft konnten inzwischen direkt im Distrikt El Cenepa verankert werden, ein wichtiger Schritt zur Stärkung von Rechtsstaatlichkeit sowie für den wirksamen Schutz insbesondere von Frauen und Kindern vor Gewalt.
Gemäß Zwischenbericht aus Jaen zeigt das im letzten Jahr initiierte Projekt zeigt bereits erste Fortschritte: die illegalen Goldabbau-Aktivitäten konnten in einigen Gebieten reduziert werden.
 
Kirche als verlässlicher Partner
In einer Region, in der staatliche Strukturen kaum greifen, kommt der Kirche eine zentrale Rolle zu. Das Vikariat begleitet die Gemeinden im Amazonasgebiet entlang des Cenepa nicht nur seelsorgerisch, sondern auch organisatorisch und fachlich. Regelmäßige Evaluationen und eine enge Abstimmung mit allen Beteiligten gewährleisten die nachhaltige Wirksamkeit der Maßnahmen.

Mit ihrem Engagement trägt die Erzdiözese Freiburg dazu bei, dass indigene Gemeinschaften im Amazonasgebiet ihre Zukunft selbstbestimmt gestalten und zugleich eines der wertvollsten Ökosysteme der Erde bewahren können, natürlich immer in dem Bewusstsein, dass dies angesichts der enormen Herausforderungen nur ein kleiner, aber wichtiger Baustein sein kann.
 
„Es geht um den Schutz unseres gemeinsamen Hauses – und um die Würde der Menschen, die es seit Generationen bewahren.“
 
 S. Valenzuela