Provinzkonferenz 2026
18.06.2026 |
Die Archivmitarbeitenden der Oberrheinischen Kirchenprovinz treffen sich einmal im Jahr zu einem zweitägigen Austausch. Aus dem Diözesanarchiv Rottenburg (DAR), dem Dom- und Diözesanarchiv Mainz (DDAMZ) und dem Erzbischöflichen Archiv Freiburg (EAF) kamen am 10. und 11. Juni 28 Archivarinnen und Archivare in Rottenburg zusammen. Außerdem durften wir zwei Gäste in unserer Runde begrüßen und ihre Erfahrungen sowie Perspektiven zu unseren diesjährigen Schwerpunktthemen einholen.
Archivleiter Dr. Brockmann aus Mainz eröffnete die Provinzkonferenz in seiner Funktion als Vorsitzender. Anschließend hieß uns Monsignore Dr. Scharfenecker, Kanzler der Diözesankurie und Domkapitular in Rottenburg, mit einem sympathischen und kurzweiligen Grußwort willkommen. Für den ersten Gastbeitrag konnten wir Herrn Scharf-Wrede gewinnen, der uns von der Arbeit der Bundeskonferenz der kirchlichen Archive in Deutschland berichtete. Er sprach über die aktuellen Themen und Diskussionen in der katholischen Archivwelt, was einerseits den Zweck der Informationsweitergabe erfüllt, andererseits die Vernetzung fördert, etwa weil man dadurch weiß, welches Archiv ein potenzieller Ansprechpartner für die eigene Projektidee oder Erfahrungen mit bestimmten Sachen wäre.
Die thematischen Schwerpunkte bildeten in diesem Jahr die Bewertung, insbesondere im Zusammenhang mit der durch alle drei Einrichtungen geleisteten Pfarrarchivpflege, und ein gemeinsamer Workshop zur Betreuung der Nutzenden. Letzteres ist ein Novum auf unserer Provinzkonferenz und wird aufgrund der positiven Resonanz fortgesetzt werden. Die Kleingruppen nahmen sich anonymisierte Anfragen vor und sollten besprechen, wie sie die Fälle bearbeiten würden. Im Plenum folgte auf die Kurzvorstellung und Lösungsvorschläge der Beispiele eine rege Diskussion; so kamen weitere Vergleichsbeispiele aus der eigenen Praxis oder weiterführende Fragen hinzu. Der Workshop entwickelte sich dank der Beiträge zu einem best practice Themenblock und veranschaulichte die vielen Gemeinsamkeiten der drei Häuser, die sich allesamt sehr bemühen, den individuellen Anliegen zu entsprechen, und den Mehraufwand nicht scheuen. Nichtsdestotrotz stößt die Dienstleistung an Grenzen: es bleibt die Aufgabe der Nutzenden, die ihnen vorgelegten Archivalien selbst zu sichten, zu lesen, mit Wissen aus der Fachliteratur zu kombinieren und für ihre Fragestellung auszuwerten.
Das Thema Bewertung erfreut sich bei Provinzkonferenzen einer großen Beliebtheit – und dies nicht etwa, weil es eine archivische Kernaufgabe ist, sondern wegen der vielfältigen Herausforderungen im Zusammenhang mit den zu verarbeitenden Schriftgutmassen und Digitalia. Nachdem in den vergangenen Jahren ein Praxisbericht zur Arbeit mit dem „Dokumentationsprofil für Pfarrarchive“ sowie die Mainzer Konzeption zur Bewertung von Pfarrarchiven besprochen wurden, sollten nun die Überlegungen aus Freiburg in unsere Runde einfließen.
Mareike Ritter, die stellvertretende Leiterin im Evangelischen Archiv Baden und Württemberg (EABW), stand dankenswerterweise für den zweiten Gastbeitrag zur Verfügung. Sie gab uns Einblicke in die Planung und Durchführung der Fusion zweier Archive. Die Zusammenlegung in Stuttgart, der Transport der Archivalien, die sukzessive Abstimmung in zahlreichen Bereichen (z. B. Arbeitsweise, Bestände, Bewertung, Aktenplan), die Bezeichnung des neuen Archivs sowie die Gestaltung eines gemeinsamen Logos waren dabei nur einige Punkte auf einer sehr langen Liste, mit denen sich die Kolleginnen und Kollegen befassten – eine beeindruckende Leistung.
Der Besuch im Diözesanmuseum Rottenburg inklusive Führung durch die Leiterin, Dr. Melanie Prange, rundete unseren Aufenthalt ab. Schon der Standort des Museums in einem ehemaligen Karmeliterkloster sorgt für Staunen. Wenn dann noch eine innovative Gebäudeplanung, eine ansprechende Ausstellungskonzeption und verständliche Vermittlungsarbeit hinzukommen, gewinnen auch diejenigen einen Zugang zu Kunst- und Kulturgegenständen, die sich sonst nicht so intensiv damit beschäftigen.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei unseren Kolleginnen und Kollegen aus dem Diözesanarchiv Rottenburg. Einen besonderen Dank möchten wir Archivleiterin Erbacher für die Führung durch ihr Haus aussprechen – sie ließ uns am Ende eines langen Konferenztages noch hinter die Kulissen blicken und beantwortete die vielen Fragen aus unserer Runde.
Sarah Mammola


