Der typische Archivmitarbeitende heißt Michael, hat 2,01 Kolleg:innen und arbeitet in einem Kommunalarchiv
21.11.2025 |
Statistische Einblicke in das Archivwesen Südwestdeutschlands
Archive gelten als wichtige Gedächtnis- und Kulturinstitutionen, die jedoch ein etwas staubiges Image haben. Doch hinter jedem Findbuch, jeder Beratung, jedem gereinigten Aktenfaszikel und jedem Gespräch im Lesesaal oder am Mikrofilmlesegerät stehen Menschen. Sie verzeichnen, entmetallisieren, recherchieren, beantworten Anfragen, beraten Behörden, führen Digitalisierungsvorhaben durch und sorgen dafür, dass das Archivgut sachgerecht gelagert wird, damit es auch zukünftigen Generationen zur Verfügung steht.
Doch wie genau sieht diese Berufslandschaft im Südwesten aus? Wie viele Menschen sind im Archivwesen Baden-Württembergs beschäftigt? Hier ist der Versuch eines datenbasierten Zugangs.
Die Datengrundlage: 399 Archive, 922 Personen – anonymisiert und aggregiert
Für die Analyse wurden insgesamt 399 Archive in Baden-Württemberg berücksichtigt, darunter Stadt- und Kreisarchive, Kirchenarchive sowie Universitäts- und Wissenschaftsarchive. Nicht einbezogen wurden die Dienststellen des Bundesarchivs in Freiburg und Ludwigsburg sowie das dem Bundesarchiv angegliederte Revolutionsmuseum in Rastatt.
In einer Stichprobe von 316 Archiven konnten 922 Personen identifiziert werden, die im Archivwesen des Landes beruflich tätig sind. Grundlage der Untersuchung sind aggregierte, öffentlich zugängliche Informationen aus dem Archivportal-D, von archive-bw.de und archiveverzeichnis.de, von der Deutschen ISIL-Agentur an der Staatsbibliothek zu Berlin, von Wikipedia sowie von 374 Einzelabrufen von Archivwebseiten. Bei der Erhebung wurden jedoch keine personenbezogenen Daten erhoben, lediglich das zugehörige Archiv, die Anrede und gegebenenfalls akademische Grade wurden erfasst. Um eine Eindeutigkeit zu gewährleisten, wurde ein Hashwert aus Vorname und Nachname generiert, sodass alle Datensätze anonym sind. Zudem wurden die Vornamen separat gezählt. Nicht berücksichtigt wurden Hilfskräfte, Praktikant:innen oder nur kurzfristig beschäftigte Personen, da sie meist in der Datengrundlage keinen Niederschlag finden.
Die Ergebnisse
Wie zu erwarten war, arbeitet der Großteil der Beschäftigten in kommunalen Archiven. Von den 922 untersuchten Personen sind 666 in Stadt-, Gemeinde- oder Kreisarchiven tätig. Im Durchschnitt arbeiten 3,01 Personen in einem Archiv. Es zeigen sich jedoch bereits innerhalb der verschiedenen Archivsparten große Unterschiede. Während in einem durchschnittlichen Stadt- oder Gemeindearchiv etwa 2,62 Personen beschäftigt sind, gibt es große Stadtarchive wie in Ulm oder Mannheim, in denen zum Teil über 20 Personen arbeiten. Nicht mit aufgeführt sei hier das Landesarchiv Baden-Württemberg mit 316 Beschäftigten an insgesamt acht Standorten [Landesarchiv in Zahlen] sowie die Einrichtungen des Bundesarchivs, welche personell nochmals deutlich stärker aufgestellt sind.
Die Berufsgruppe
Das Archivwesen gilt traditionell als eher akademisch geprägt – und die Zahlen bestätigen dies ein wenig. Etwa 19,3% der Archivmitarbeitenden sind promoviert. Besonders hoch ist dabei der Anteil bei den Kolleg:innen in den Archiven der Wissenschaftseinrichtungen und Universitäten. Dort verfügen 52% aus der Stichprobe über mindestens einen Doktortitel. Auch die Geschlechterverteilung zeigt eine leichte Tendenz: Ein leicht höherer Anteil der Stichprobe ist weiblich. Über Personen, die nichtbinär sind, konnte aufgrund der Datengrundlage (Anreden auf Webseiten) leider keine belastbare Aussage getroffen werden.
Einen charmanten Blick auf die Berufsrealität lässt auch die Vornamensverteilung erahnen. Die Top-10-Liste zeigt, dass einige Namen häufig vertreten sind. Eine Rangliste, die auf den ersten Blick eher an typische deutsche Jahrgänge der 1960er bis 1980er erinnert. Gleichwohl ein solcher Rückschluss aufgrund der vorhandenen Daten nicht möglich ist.
Top 10 der häufigsten Namen bei Archivar:innen in Baden-Württemberg
1. Michael 2. Andreas 3. Jürgen 4. Martin, Sabine 5. Thomas 6. Peter, Wolfgang 7. Andrea, Heike, Uwe 8. Christian
Das Archivwesen in Baden-Württemberg ist sehr heterogen strukturiert. Neben einigen größeren Häusern, gibt es auch viele eher kleinere oder wenig bekanntere Sammlungen und Einrichtungen. Es wäre natürlich noch spannend, etwas mehr über die einzelnen Archive und deren Archivar:innen sowie die passenden Berufsbiografien herauszufinden. Hierzu bietet sich eine Vielzahl von Datenquellen an. Falls Sie inhaltlich noch etwas mehr über Archive in Baden-Württemberg erfahren wollen, schauen Sie auch gerne auf https://www.archive-bw.de/ vorbei. Zwar ist die Seite schon etwas in die Jahre gekommen, man bekommt dennoch einen guten Einblick in viele Häuser, ihre Bestände und die Geschichte von Südwestdeutschen Archiven.