Rückschau auf die 5. Heidelberger Archivgespräche

21.01.2025 |

Die online Reihe der „Heidelberger Archivgespräche“ ging zu Beginn dieses Jahres in die fünfte Runde. Das Institut für Fränkisch-Pfälzische Geschichte und Landeskunde (FPI) der Universität Heidelberg wählte diesmal eine weitere Facette der Öffentlichkeitsarbeit als Hauptthema: die Kommunikation von Archiven und Universitäten mit der Öffentlichkeit. Eine kleine Auswahl aus den informativen Beiträgen soll im Folgenden geboten werden, ebenso weiterführende Links zu den vorgestellten Projekten.

Die Organisatoren unterstrichen in der Begrüßung, dass es ihnen mit dem Format der Heidelberger Archivgespräche hauptsächlich um einen Austausch zwischen Archiv und Universität, Vernetzungsmöglichkeiten und einen Raum für Diskussionen über verschiedene Ideen geht. Das Rahmenthema ist auch in diesem Jahr die Öffentlichkeitsarbeit.
Es ist in Zeiten von fake news, KI-Halluzinationen und Demokratieskepsis hierzulande wichtiger denn je, dass sich um den Kontakt nach außen bemüht wird. Dafür lohnt es sich, kreativ zu werden und Neues auszuprobieren. In fünf Redebeiträgen informierten die Vortragenden über vergangene und aktuelle Projekte, aber auch ganz grundsätzlich über die in ihren Einrichtungen genutzten Kommunikationswege.
 
Ausgewählte Projekte
  • Aschaffenburg und citizen science
Das Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg beteiligt sich federführend an einer Initiative, dem Heimat:hub. Die Plattform bietet historisch Interessierten sowie Heimatvereinen mit ihren drei Rubriken „Journal“, „Archiv“ und „Netzwerk“ viele Informationsmöglichkeiten. In der Rubrik „Mitmachen“ besteht die Option, das eigene Foto-, Audio- oder Schriftmaterial zu bestimmten Themen einzustellen, Beiträge einzureichen sowie sich zu vernetzen. Darüber hinaus gibt es eigens eingerichtete Räumlichkeiten in Aschaffenburg, Mömbris, Eschau und Gemünden, welche das online Angebot ergänzen und als Ankerpunkte für Menschen dienen, die sich einbringen wollen. 
 
Einen beeindruckenden Beitrag leistete der Heimathub für das innovative Projekt „Im Namen der Freiheit” von der Universität Hamburg. Dafür entwarf er eine Freiheitswerkstatt unter dem Titel „Freiheit im Dialog: Zukunftsfragen an Vergangenheit und Gegenwart”. In dem Format kam nicht nur der Aschaffenburger Parlamentarier Jean Stock zu Wort, sondern es sollten ausdrücklich Bürgerinnen und Bürger in verschiedenster Weise formulieren, was „Freiheit“ für sie bedeutet. 
Künftig soll es mit Heimat:data ein Konzept für die zahlreichen, oft in Heimatvereinen genutzten Datenbanken geben. Ziel ist es, sie zu sammeln, auf Dauer zu erhalten und nutzbar zu machen. 
 
 
  • Sinsheim und digitale Erinnerungskultur
Nach einem Auftrag des Gemeinderats begann das Stadtarchiv Sinsheim, sich Gedanken zur Umsetzung der Erinnerungskultur zu machen. In Kooperation mit dem lokalen Geschichtsverein und unverzichtbaren Ehrenamtlichen entstanden zunächst 15 Infotafeln mit Daten zu den historischen Gebäuden in der Stadt.
 
Darauf aufbauend, wagte das kleine Archivteam den Schritt ins Digitale. Geboten wird nun eine Karte, auf der Erinnerungsorte in der Stadt und (künftig) ihren Vierteln mit Tags versehen sind. Die einzelnen Punkte geben zahlreiche Informationen wieder: Daten zum Gebäude selbst (Baujahr, Bewohnerinnen und Bewohner, Bau- und Nutzungsgeschichte), Fotomaterial (historisch, Postkarten oder auch aktuellere Aufnahmen), weiterführende Literatur und Quellenverweise. Nach Möglichkeit wird zu den einstigen Bewohnerinnen und Bewohnern ein biografischer Abriss geboten. Der Zugang über Personen bietet einen zweiten Weg zum historischen Gedächtnis im digitalen Raum.
 
Ebenfalls wurde vom Gemeinderat Sinsheim beschlossen, dass Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer der NS-Zeit verlegt werden sollen. Die Rechercheergebnisse hierzu werden im konkreten Stein im Boden sichtbar sein, genauso in die digitale Erinnerung einfließen.
 
Breite Vielfalt der Kommunikationswege mit der Öffentlichkeit
 
Symbolbild für Kommunikation mit unterschiedlichen Öffentlichkeiten
Ein gewinnbringendes Ergebnis des gemeinsamen Austauschs ist die folgende Gesamtübersicht über die verschiedenen Kommunikationswege. Vielleicht entsteht hier und da die Motivation, sich trotz des Alltagsgeschäfts etwas Zeit für Öffentlichkeitsarbeit und Archivpädagogik zu nehmen - bestenfalls nicht nur als guten Vorsatz für das neue Jahr. Die Kolleginnen und Kollegen trugen zusammen:
 
  • Archivführung, Tag der offenen Tür
  • Ausstellung (multimedial)
  • Workshop
  • Teilnahme an Veranstaltungen anderer Einrichtungen (z. B. Stadtbibliothek, Neujahrsempfang)
  • Newsletter
  • Blog
  • soziale Medien
  • Podcast (meist Interview)
  • Kooperation mit lokalem Radiosender
  • YouTube Kanal
  • hybride Veranstaltungen
  • Themenportale (zu dem die eigenen Archivalien hinzugefügt werden)
  • themenbezogene Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen
  • Homepage mit thematischem Zugang
  • digitaler Lesesaal
  • citizen science (vielfältige Möglichkeiten, Materialsammlungen und Engagement von Bürgerinnen und Bürgern zu bestimmten Themen nutzen) 
  • science-slam (z. B. zur kreativen Vorstellung der Rechercheergebnisse von Schülerinnen und Schülern oder Studierenden)
  • Mitwirkung an städtischen Aufträgen zu Erinnerungskultur (Infotafeln, Stolpersteine, digitale Karte mit Erinnerungsorten und Personenbiografien)
  • digitale Sprechstunde
 
Die Runde war sich abschließend darüber einig, dass sich Archive und Hochschulen dezidiert darum bemühen sollten, möglichst verschiedene Öffentlichkeiten anzusprechen. Viele der vorgestellten Projekte haben gezeigt, dass es umsetzbar ist und sich lohnt, nicht nur das ‚klassische Bildungspublikum‘ in den Blick zu nehmen. Das erfordert ein Umdenken und Ausprobieren neuer Formate. Die zeitlichen und personellen Ressourcen dafür werden sicher nicht immer vorhanden sein. Ein guter, erster Schritt ist die Priorisierung des Ziels, dass das jeweilige Archiv ein abwechslungsreiches Angebot für diverse Gruppen schaffen möchte
 
Ich danke den Kolleginnen und Kollegen für die Einblicke in ihre Arbeit und die Anregungen.
 
Sarah Mammola
 
Weiterführende Links zu den Projekten / Einrichtungen