Archivalien auf Reisen: Von Frickingen über Berlin nach Freiburg.

05.11.2024 | Die Akademie der Künste und das EAF treffen zusammen

Es klingt wie der Anfang einer merkwürdigen Geschichte und doch können solche Dinge im Archivalltag passieren: das Telefon klingelt und eine freundliche Stimme aus Berlin meldet sich mit der Frage, ob wir die richtige Stelle seien für eine Reihe von Unterlagen mit Bezug zum Großherzoglichen Katholischen Oberkirchenrat oder dem Katholischen Oberstiftungsrat. Es folgt ein kleiner Einblick in die archivische Zusammenarbeit zwischen dem Archiv der Akademie der Künste und dem EAF.

Das Archiv der Akademie der Künste in Berlin bewahrt personenbezogene Bestände und zahlreiche Nachlässe zu deutschsprachigen Personen aus Kunst und Kultur auf. Es ist in mehrere Sammlungsbereiche untergliedert und leistet in verschiedenen Formaten wertvolle Öffentlichkeitsarbeit, wie bereits ein kurzer Blick auf den Veranstaltungskalender zeigt.
 
Vor einiger Zeit erhielt das Literaturarchiv der Akademie der Künste den Nachlass von Swetlana Geier, einer bedeutenden Literaturwissenschaftlerin und Übersetzerin mit Schwerpunkt Slawistik. Zu ihrem vielgelesenen Werk gehört die deutsche Fassung der berühmten Romane Dostojewskis. In Freiburg ist sie alleine deshalb schon nicht unbekannt, weil sie in FR-Günterstal lebte, an der Uni studierte, lehrte und wirkte.
Was jedoch eher nicht in ihrem Nachlass zu erwarten war, war ein Bündel von Schriftstücken aus dem 19. Jahrhundert zur katholischen Kirchengemeinde Frickingen im Linzgau. Wie kam es in den Nachlass von Swetlana Geier und wovon handeln die Dokumente?
 
 
Das Konvolut befand sich in einer versteckten Schublade in einem Schrank, welcher der Familie Geier von einem Bekannten in Freiburg überlassen worden war. Die Schriftstücke hatten also bereits vor 2024 einen Zwischenhalt im Breisgau eingelegt. Wie es der Zufall wollte, blieben sie jahrzehntelang ungesehen im Möbelstück. Nach dem Tod von Swetlana Geier im Jahre 2010 entdeckten ihre Angehörigen das Bündel, das nun mitsamt ihren anderen Unterlagen nach Berlin abgegeben wurde. Dort angekommen, sorgte es beim Bearbeiter im Literaturarchiv für Verwunderung. Christoph Kapp nahm Kontakt mit dem EAF auf, da er wegen des kirchlichen Bezugs der Schreiben und ihrer geografischen Zuordnung eine Verbindung zur Diözese Freiburg vermutete.
 
Die Auswahl der zugeschickten Scans ermöglichte eine erste Beurteilung: die Schriftstücke stammen aus dem Pfarrarchiv Frickingen und das EAF würde sie gerne übernehmen. Da ein Besuch in Berlin ohnehin bevorstand, konnten sie sogar persönlich von einer Mitarbeiterin abgeholt werden. Eine Tasse Kaffee, ein angenehmes Gespräch sowie eine Zugfahrt später erreichte die Mappe ihre neue Unterkunft.
 
Die Schreiben decken den Zeitraum von 1821 bis 1877 ab. Ihr Inhalt ist für ein Pfarrarchiv erwartbar; es geht unter anderem um die Ablösung von (Wiesen-)Zehnten, Erblehen, Pachten, Schriftwechsel mit dem Bürgermeisteramt oder auch dem Stiftungsvorstand. Eine Kuriosität darf aber noch erwähnt werden: in den Stapel hat sich eine 1865 zum Zwecke einer Trauung angefertigte Abschrift aus dem Taufbuch verirrt; dokumentiert wurde hier die Taufe der 1794 in Happenmühle geborenen und in Owingen getauften Anna Maria Walk.
 
Herzlichen Dank an unseren Kollegen im Literaturarchiv der Akademie der Künste, Herrn Christoph Kapp, für die Kontaktaufnahme und die freundliche Übergabe der Archivalien an das EAF. 
 
Sarah Mammola
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