Zu Besuch in Gernsbach: Die Klingelkapelle
24.07.2024 |
Eine ergänzende Überlieferung im EAF
Der Stiftungsvorstand des Kapellenfonds zum Klingel entschied sich am 27.04. für Plan B. In der Folge entstanden etliche Schriftstücke über die Kostenübernahme für die beiden Pläne, die Kosten für den Umbau selbst sowie die anvisierte Dauer und ausstehende Zahlungen.
Drehen wir das Rad der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg weiter. Die Abgabe von Kupfer hinterließ zahlreiche Schriftstücke in den Akten zur Klingelkapelle in Gernsbach. Eine interessante Quelle stellt sicherlich der Meldeschein dar, in dem festgehalten wurde, wie viel Kupfer freiwillig abgegeben werden könne. Es betraf allerdings nicht, wie man vielleicht annehmen würde, die Glocken der Kapelle, sondern ihr Dach.
Das Murgtal ist denen, die gerne wandern, Fahrradtouren machen oder gemütlich spazieren gehen, sicherlich nicht ganz unbekannt. Ein Blickfang ist die bei Gernsbach am Fuße des Schlosses Eberstein gelegene Kapelle St. Marien – oder Klingelkapelle. Was kann man im EAF über die marianische Kapelle herausfinden?
Anhand der bei uns aufbewahrten Akten lassen sich viele Aussagen über die Geschichte der Kapelle treffen, insbesondere über die Grundstücksverhältnisse, bauliche Veränderungen, die Ausstattung sowie die seelsorgerische Betreuung der Menschen. Neben eher erwartbaren Schriftstücken, die beispielsweise den neuen Kaplan bestätigen oder Rechnungen aus dem sogenannten Klingelfonds begleichen, lassen manche Ereignisse einen dann doch näher hinschauen. Eine kleine Auswahl soll hier vorgestellt werden und dazu einladen, sich bei uns im Lesesaal eingehender mit der Materie zu beschäftigen.
Am 26. Januar 1848 teilte der Direktor des Badischen Altertumsvereins, Herr von Bayer, zwei Projektskizzen zum Umbau der Vorhalle und anderer Teile der Kapelle mit. Er schrieb an die Regierung des Mittelrheinkreises zu Karlsruhe:
„Das Project A geht in Styl und Fassung zurück auf die Stiftungszeit der Kapelle und bedingt unerläßlich eine durchgreifende Herstellung der Kapelle selbst, soll das Ganze organisch-harmonisch sich darstellen. Das Project B dagegen haltet sich in bescheideneren späterer Zeit angehörenden, aber freilich weniger kirchlichen Formen und gestattet dann auch einen etwas loseren Plan in der Herstellung der übrigen Theile der Kapelle. Beide Projecte übrigens können als Holz-Constructionen mit steinernem Sokelbau betrachtet werden und sind dann im Kostenpunkte nicht bedeutend unterschieden.“
Der Stiftungsvorstand des Kapellenfonds zum Klingel entschied sich am 27.04. für Plan B. In der Folge entstanden etliche Schriftstücke über die Kostenübernahme für die beiden Pläne, die Kosten für den Umbau selbst sowie die anvisierte Dauer und ausstehende Zahlungen.
Drehen wir das Rad der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg weiter. Die Abgabe von Kupfer hinterließ zahlreiche Schriftstücke in den Akten zur Klingelkapelle in Gernsbach. Eine interessante Quelle stellt sicherlich der Meldeschein dar, in dem festgehalten wurde, wie viel Kupfer freiwillig abgegeben werden könne. Es betraf allerdings nicht, wie man vielleicht annehmen würde, die Glocken der Kapelle, sondern ihr Dach.
Pfarrer Steinbach informierte am 10.11.1915 darüber, dass das Kupferdach beschlagnahmt werden solle und er Herrn Fischer vom Erzbischöflichen Bauamt Karlsruhe zur Berechnung der Kosten für ein anderes Dach beauftragt habe. Letzterer füllte den Meldeschein aus und ließ dem Katholischen Oberstiftungsrat eine Kopie mitsamt Einschätzung zukommen.
Die Klingelkapelle sollte ihr Kupferdach aber behalten, denn am 04.12.1918 schreibt das Bauamt: „Da jedoch die Kupferablieferung infolge der inzwischen eingetretenen Ereignisse hinfällig geworden ist, haben wir den Übernehmer noch rechtzeitig vom Arbeitsbeginn zurückgehalten & unseren Auftrag zurückgezogen womit die Angelegenheit als erledigt zu betrachten sein dürfte.“ Im Bogen „Regelmäßigen Gebäudenachschau bezüglich der kirchlichen Gebäude“ von 1939 wird das Dach aufgeführt.
Auch später sollte die Kapelle von einer Kupferablieferung verschont bleiben. Diesmal ging es um die Glocken. 1940 trug Pfarrer Bernauer eine einzige Glocke ein: die 37cm umfassende und am Dachreiter befestigte Glocke aus dem Jahr 1859 von der Gießerei Schweiger in Rastatt. Am Ablieferungs- und Rückgabeschein aus dem Jahr 1948 lässt sich ablesen, dass die Glocke nie abgeliefert worden war. Auf der Webseite der Glockeninspektion der Erzdiözese Freiburg sind die grundlegenden Daten einsehbar.
Bei diesen paar Eindrücken aus den Archivalien im EAF soll es vorerst bleiben.
Interessierte können sich dank der mühevollen Recherche von Frau Dr. Irene Schneid-Horn und Frau Regina Meier in Form eines Heftchens eingehender mit der Klingelkapelle befassen. Außerdem sei auf die lesenswerte Kurzvorstellung inklusive Bilder auf der Homepage der Kirchengemeinde verwiesen.
Schöner und lohnenswerter ist nur der Eindruck vor Ort.
Herzlichen Dank an Johannes Wittekind für die Bereitstellung der Fotos von den Außen- und Innenansichten der Klingelkapelle!
Sarah Mammola
Nutzung im EAF
- EAF, A33/294, Gernsbach, Reparatur der Kapelle "zum finsteren Klingel", 1777.
- EAF, A33/295, Gernsbach, Verlegung des Gottesdienstes von der Kapelle "zum finsteren Klingel" in die Pfarrkirche, 1809-1821.
- EAF, A33/296, Gernsbach, Tausch bzw. Verkauf von Grundstücken der Kapelle "zum finsteren Klingel", 1758-1812.
- EAF, B4/3527, Gernsbach, Die Wiederherstellung und Einsegnung der Kapelle zum "finstern Klingel" und die innere Ausstattung derselben, 1853-1930.
- EAF, B22/8499, Gernsbach, Kapelle an der finstern Klingel, 1799-1836.
- EAF, B22/8500, Gernsbach, Kapelle zum finstern Klingel, 1843-1939.
- EAF, B32/243, Gernsbach, Kapelle zum finstern Klingel und Friedhofkapelle, 1881-1918.
- EAF, Na 35-VII/32, Dekanat Rastatt: Bestandsanzeige von Metallgegenständen, o. D.





