Seit 25 Jahren ist das Erzbistum Freiburg nun im Internet vertreten. Eine kleine Geschichte der Homepages in der Erzdiözese.
Was ist eigentlich eine Website?
Websites sind ein Teil des Internets. Technisch betrachtet, handelt es sich um eine „menschenlesbare, transmediale Interpretation einer Serverantwort“. Einfacher gesagt, ist eine Webseite also nichts Anderes als Quellcode, der von einem Server auf das eigene Gerät übertragen wird. Dieser Quellcode enthält komplexe Anweisungen, wie die verschiedenen angeforderten medialen Inhalte und Texte „gesetzt“ bzw. interpretiert werden sollen - abhängig davon, mit welchem Gerät und Software man diese Inhalte abruft.
Die erste Website ging gut 20 Jahre nach der ersten E-Mail am 6. August 1991 „online“. Entwickelt wurde sie konzeptionell von Tim Berners-Lee, der heute als Erfinder des World-Wide-Web gilt. Angesiedelt im Forschungszentrum CERN, war das Projekt primär zum Austausch von Forschungsdaten und Verknüpfung von Publikationen gedacht. Dem Ganzen waren zwei Jahre vorausgegangen, in denen zunächst das Netzwerkprotokoll HTTP zur Übertragung der Daten sowie die Auszeichnungssprache HTML entwickelt werden mussten, um Inhalte formatiert anzeigen zu können. 1994 kam noch die Komponente URI (Universal Resource Identifier) hinzu, die dafür sorgt, dass man in der Browserleiste eine nutzer:innenfreundlichere Adresse eingeben kann. Sonst wäre „www.ebfr.de“ heute nur über die Zahlengruppe 78.47.183.173 erreichbar.
Eine digitale „Replik“ der ersten Website ist heute übrigens hier verfügbar.
Geschichte des World-Wide-Webs
Seit den ersten Tagen des Internets gab es eine Vielzahl von Entwicklungen: Das Web 1.0 bestand noch aus statischen Seiten, interaktive Elemente gab es noch nicht und der Austausch im Web war, jenseits von Foren, Newsgroups und Mailinglisten, eher eingeschränkt. Eine Website war quasi ein digitaler „Schaukasten“, Inhalte darauf änderten sich unregelmäßig und gingen in den meisten Fällen vom/von der Betreiber:in einer Website aus.
Mit Anfang bis Mitte der 2000er beginnt das Zeitalter des sogenannten Web 2.0. Interaktive Elemente kommen hinzu, etwa die Möglichkeiten, Kommentare zu hinterlassen, zu liken, sharen oder reposten. Textliche Inhalte treten mit zunehmenden Verlauf gegenüber visuellen Inhalten in den Hintergrund. Durch zunehmende Verbreitung von DSL wird es möglich, mehr Bilder und AV Medien zu verbreiten. Webauftritte erfordern mittlerweile kaum noch Programmier- oder Serversetupkenntnisse.
Einige Stellen sprechen bereits heute vom Web3 (sic!). Dieser Begriff ist jedoch noch sehr unscharf, da viele der maßgebenden Technologien sich konstant weiterentwickeln. Grundlage bildet vor allem das Aufkommen mobiler Endgeräte und die Verbreitung von verhältnismäßig schnellen mobilen Internetzugängen. Dies hat eine Omnipräsenz von Webinhalten zur Folge, die technisch begleitet wird von starken Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz, Blockchain, Verknüpfung von Datenbanken (BigData), Vernetzung und "Smartifizierung" von Alltagsgeräten (Internet of Things). Die „klassische“ Website tritt dabei mehr und mehr in den Hintergrund zugunsten auf Webtechnologien basierender Systeme, Apps oder Schnittstellen. Zeitgleich gewinnen daten-, meinungs- und technologiegetriebene Geschäftsmodelle im Internet immer mehr an Bedeutung. Auch gezielte Beeinflussung und Desinformation spielen in diesem Zusammenhang eine immer größer werdende Rolle.
Webseiten im Erzbistum gibt es schon in den späten 1990er Jahren. Wie in vielen Bistümern sind die ersten Websites vor allem von Einzelpersonen, etwa in den Pfarreien, initiiert worden. Weiterer Katalysator waren die Abteilungen und Referate für Weltkirche, um eine bessere Kommunikation auf überdiözesaner Ebene zu schaffen. Die ersten Spuren des Erzbistums Freiburg finden sich auf kath.de. Dort wurde seit spätestens 1998 die Website des Bistums und die Seite der katholischen Akademie gehostet. Hinzu kommen Angebote vom Erzbischöflichen Seelsorgeamt / Internetseelsorgeangebote. Ein Corporate Design oder eine Adressvorgabe für Webauftritte gab es damals noch nicht, was zumindest in der Fläche für eine Vielzahl von kreativen Schöpfungen bis Diskussionsstoff sorgte. Erwähnenswert ist sicherlich die Kirchgemeinde Hechingen, die sich vorsorglich die eher allgemeine Adresse www.st-jakobus.de sicherte.
Screenshot der Website der Katholischen Akademie Freiburg vom 25-01-1998
Website des Erzbistum Freiburg vom 29-01-1998, gehostet auf kath.de
Website des Referat Weltkirche vom 05-02-2000
Website zur Internetseelsorge Freiburg vom 17-04-2000
Einige der ersten Kirchgemeinden mit Internetseite (bis ca. 1999) waren: Baden-Baden, St. Josef; Bruchsal, St. Peter und St. Paul; Bräunlingen, U. L. F. vom Berge Karmel; Bühl/Baden, St.Peter und Paul; Forst, St. Barbara; Hechingen, St. Jakobus; Heidelberg, St. Bonifatius; Heidelberg-Kirchheim, St. Peter; Lörrach, St. Bonifatius; Mannheim, St. Sebastian; Mannheim-Jungbusch, Liebfrauen; Mosbach, St. Josef und St. Br. Klaus; Neuried-Ichenheim, St. Nikolaus; Offenburg, Hl. Dreifaltigkeit; Tiengen, Mariä Himmelfahrt und Villingen, St. Fidelis.
Zum ersten Advent 2003 ging schließlich die neue, überarbeitete Version der Homepage des Erzbistums online (Pressemitteilung 69/2003 vom 28.11.2003), gleichzeitig mit einer Überarbeitung der Seiten der Katholischen Akademie, des Diözesanen Bildungswerks und des Kirchlichen Büchereiwesens. Bis zum Frühjahr 2004 folgten das Institut für Pastorale Bildung, das Erzbischöfliche Seelsorgeamt und am 01.03.2004 erstmals auch das Ordinariat (Pressemitteilung 22/2004 vom 01.03.2004). Flankiert wurde dies mit den Pastoralen Leitlinien 2005 (Amtsblatt 31/2005, 6.3), welche speziell im pastoralen Handlungsfeld „Sendung“ das Medium Internet zur „durchgängigen Informationsplattform“ im Bistum erklärten und die Vernetzung der Diözese via Intranet forderten. Dem folgte die Einführung von Intrexx im Jahr 2006.
2007 begann die Erzdiözese schließlich mittels des Referats Öffentlichkeitsarbeit, ein gemeinsames Angebot über SESAM zu schaffen. Das Akronym „SESAM“ steht dabei, nach der Idee des damaligen Domdekans Wolfgang Sauer, für „Seelsorgeeinheiten sind am Markt“. Er leitete seinen Vorschlag vom Verkündigungsauftritt des Apostels Paulus auf dem Marktplatz von Athen und dem Bild des World-Wide-Webs als globale Agora ab.
Bis 2009 hatten sich 154 Seelsorgeeinheiten, Dekanate, Verbände und Fachstellen dem Projekt angeschlossen. Dieses wurde unter anderem sehr regelmäßig auf der Dekanekonferenzen beworben. Mit 2023 sind es nun über 500 Websitemandanten geworden. Allein für ebfr.de sind mehr als 170 Redakteur:innen tätig.
Websitearchivierung im Erzbistum Freiburg
Mittlerweile ist das Medium Website im Erzbistum ein weitverbreitetes Zeugnis zur Kommunikation und Dokumentation von kirchlichem Verwaltungshandeln, Gemeindeleben, Seelsorge und Verkündigung geworden. Ohne Zweifel stellt es damit ein wichtiges digitales Kulturgut dar. Die Sicherung und Bewahrung dessen ist jedoch deutlich komplexer als man vielleicht erwartet. Wie bereits zu Beginn beschrieben, handelt es sich bei einer Website um eine flüchtige Interpretation eines erzeugten Quellcodes. Aussehen, Verhalten und Featureumfang sind sehr stark abhängig vom Endgerät, mit dem man eine Seite abruft, vom verwendeten Browser oder von der verwendeten HTML Version, in welcher eine Website „geschrieben“ wurde. Ein reines „Speichern“ des Quellcodes kommt daher nicht in Frage: Zum einen erzeugt dies enorme Redundanzen. Zum anderen müsste dafür das technische Ökosystem sowohl auf Serverseite (Webserverumgebung, Datenbank, Laufzeitumgebung und eingebettete Serversprachen wie PHP, Perl, C#, Java) als auch auf Clientseite (Browser, inkl. Plugins wie z.B. Shockwave, Flash oder Javascript, …) „mitarchiviert“ werden. Dies wäre notwendig, da sich Software ebenfalls permanent weiterentwickelt, ohne vollständig abwärtskompatibel zu sein. Um diesen Problemen zu begegnen, verfolgt das Erzbischöfliche Archiv im Rahmen der digitalen Langzeitarchivierung ein elaboriertes Konzept, welches mehrere Komponenten vereint. Zum einen erfolgen jahrgangsweise Datenbankabzüge von Seiten des Bistums. Zum anderen werden selektive Screenshots und anlassbezogene Crawls durchgeführt, um auch „Look and Feel“ der Websites „einfangen“ zu können und Teile der technischen Funktionalität abzubilden.
Dieses Jahr erfolge unter anderem die Archivierung der Nachrichtenmeldungen von SESAM von 2009 bis 2022. Weitere Websites sind bereits in Planung. Dennoch sind viele Homepages aus der Anfangszeit des Internets bereits verloren gegangen. Falls Sie daher alte Kopien oder Backups von frühen Pfarrei-, Dekanats- oder sonstigen Internetauftritten haben, setzen Sie sich gern mit dem Erzbischöflichen Archiv Freiburg in Verbindung.
Ein besonderer Dank gilt Domkapitular emeritus Msgr. Wolfgang Sauer für die Bereitstellung des umfangreichen Materials zur Anfangszeit von SESAM.
Tony Franzky
im DIALOG Heft 2024/1 erstveröffentlicht
Drei Fakten über ebfr.de:
die auf ebfr.de am häufigsten besuchte Struktureinheit ist die von Hauptabteilung 2 – Pastorales Personal
362 Besuche der Website ebfr.de (0,05%) im Jahr 2023 fanden über ein Fernsehendgerät statt
2009-2022 wurden auf ebfr.de 11.205 Nachrichten mit insgesamt 3,6 Millionen Wörtern eingestellt