Kurioses: Beschriftung von Archivkartons

13.09.2023 |

Wie spannend können Archivkartons eigentlich sein? Nun ja, geht so. Meist sind diese in einem matten unauffälligen Grau gehalten. Das Material ist in der Regel säuregepuffert, brandhemmend und in großem Maße wasser- und schmutzabweisend. Gleichzeitig muss ein Archivkarton jedoch atmungsaktiv und luftdurchlässig sein, um das Entstehen von Mikroklima oder gar Kondenswasser zu verhindern. Daher eigentlich das perfekte Verpackungsmaterial für eine langfristige Lagerung von allen Dingen, die vor dem Zahn der Zeit geschützt werden sollen. 

Um dem steten Grau eines Magazinraums etwas Farbe zu geben, können die Beschriftungen und Kennzeichnungen sehr unterschiedlich und zuweilen kreativ ausfallen.
 
So wurden beispielsweise im EAF früher oft bunte Aufkleber zur Beschriftung von Archivkartons benutzt, wie am Beispiel des Vorarchivs aus Tengen zu sehen ist. Jedoch haben diese manchmal das Problem, dass sich der Kleber nach längeren Zeiträumen lösen kann. Zum einen aufgrund der Beschaffenheit der Archivkartons, welche auch abweisend gegenüber Klebstoffen sind. Zum anderen, weil das zumeist trocken-kühle Magazinraumklima den Kleber schnell austrocknen und verspröden lassen kann. Daher beschriftet man in der Regel Archivkartons direkt mit z. B. farbigen Buntstiften, denn diese lösen sich nicht ab und sind nicht so einfach zu entfernen oder verwischen  wie beispielsweise Bleistift. Zudem wird das Material des Archivkartons nicht angegriffen und die Schrift verblasst nicht, was durchaus bei alkoholhaltigem Fasermaler oder Tinte passieren könnte. 
 
In manchen Fällen finden sich sogar kleine Illustrationen auf den Kartons, wie etwa auf dem Karton aus dem Bestand B22 zur Pfarrei Rust. Wer dieses kleine Kunstwerk im EAF angebracht hat, ist inzwischen jedoch unbekannt.
 
Auch kann es passieren, dass auf Kartonrückseiten Bilder angebracht wurden, wie etwa im Depositum des Erzbischöflichen Bauamts Freiburg zu sehen ist. Dies hilft beispielsweise schneller Inhalte intuitiv zuordnen zu können.
 
Nicht selten werden in modernen Archivmagazinen auch Strich- oder Barcodes statt oder ergänzend zu  einer Beschriftung benutzt, die mit einem Datenmanagementsystem verknüpft sind. So ist es etwa möglich, den Standort und den Aushebeprozess von Akten einfach zu verfolgen bzw. zu dokumentieren.
Wie genau eine Außenverpackung von Archivgut genau beschaffen sein sollte, wird übrigens in DIN ISO 16245-A bzw. DIN ISO 16245-B ("Information and documentation — Boxes, file covers and other enclosures, made from cellulosic materials, for storage of paper and parchment documents") geregelt.
 
Tony Franzky