Im Monat Hornung

17.08.2023 | Historische Bezeichnung für den zweiten Monat des Jahres 

Während meines Praktikums im Fürstlich Fürstenbergischen Archiv stieß ich auf den Begriff „Hornung“, der zur Datierung von Veranstaltungen verwendet wurde. Ich bemerkte den ungewöhnlichen Namen, als ich Theaterzettel der Auftritte des verbrannten Hoftheaters in Donaueschingen (1774-1850) verzeichnete. Dabei fand ich nach einer kurzen Internet-Recherche heraus, dass es sich um den zweiten Monat des Jahres handelt. Später stieß ich bei meiner Tätigkeit, im Erzbischöflichen Archiv der Erzdiözese, in Kirchenbüchern erneut auf diesen Begriff. Obwohl ich nun wusste was der Name bedeutete, fragte ich mich woher er stammen könnte. 
 
Um die Herkunft des Wortes zu verstehen, sollte man sich zuerst mit der Geschichte des Kalendernamens beschäftigen. Erstmalige Erwähnungen tauchen um 800 n. Chr. auf und auffindbar blieben diese bis ins 19. Jahrhundert. Zurückzuführen ist diese Tatsache auf die Kalenderreformation von Karl dem Großen (748-814). Dieser änderte die Monatsnamen des julianischen Kalenders in deutsche Namen. Dabei verwendete er den Begriff ,,Hornung“ für den zweiten Monat des Jahres.
 
Beispiel Monatsdatierung Hornung
Datierung: Freyburg d. 15ten Hornung 1787
In der Forschung wird nun gestritten welche Herkunft dieser ungewöhnliche Name hat. Eine erste Theorie besagt, dass er vom Abwerfen der Geweihe von Rot- und Rehhirschen zu dieser Jahreszeit stammt. Dabei stellte sich dieses Horn als begehrtes Material dar, das von der Bevölkerung gesammelt wurde. Daher sprach man im Februar von einer sogenannten „HORNung“, die zu dieser Jahreszeit stattfand. Eine andere Theorie, die besonders von Sprachwissenschaftlern vertreten wird, sieht eine linguistische Herkunft für den Begriff. Im Althochdeutschen („Hornunc“) und im Altnordischen („Hornung“) findet man für das Wort eine klare Übersetzung, nämlich „der im Geheimen gezeugte Bastard“ oder „das im Eck (oder Winkel) gezeugte Kind“, was ebenfalls als ein uneheliches Kind identifiziert wird. Es wird davon ausgegangen, dass ein „Hornung“ etwas zu kurz gekommen ist, wie auch der Monat Februar mit seinen „nur“ 28/29 Tagen. 
 
Es ist nicht geklärt, welche Theorie nun die plausible Erklärung für die Herkunft des Namens „Hornung“ ist. Was die erste Theorie nahelegt ist, dass der Name möglicherweise für die damals ungebildete Bevölkerung verständlicher und greifbarer war. Die Erklärung mit dem zu kurz gekommenen Kind im Vergleich zu dem Monat scheint eher für gebildete Kreise naheliegend gewesen zu sein.
 
Marcel Pilhun
 
Kupferstich aus dem EAF zu Maria Lichtmess, gestochen von Johannes und Joseph Klauber von ca. 1760
Kupferstich aus dem EAF zu Maria Lichtmess (02. Februar), gestochen von Johannes und Joseph Klauber von ca. 1760