Grafenhausen, Pfarrkirche St. Fides, und Kapellenweg im Rothauser Land
St. Fides Grafenhausen
Wer von Westen, St. Blasien, von Osten, Bonndorf, von Süden, Waldshut-Tiengen oder von Norden, Rothaus, nach Grafenhausen fährt, immer wird aus dem hügeligen Wiesengelände, oder aus den Tannenwipfeln zuerst der Turm der Pfarrkirche zu sehen sein. Noch faszinierender zeigt sich dem Wanderer ebenfalls fast immer zuerst der markante Turm mit dem unregelmäßigem Achteck aus Quadersteinen, den gotischen Fenstern und dem schönen Zwiebelabschluß mit zwei Wölbungen. Eine goldene Kugel mit dem Doppelkreuz bildet den krönenden Abschluß.
Wer das Ziel erwandert oder mit dem Fahrzeug erreicht hat, steht vor einem schönen Bauensemble von Kirche und Pfarrhaus. Das Pfarrhaus, vor dem ein Springbrunnen in einer oktogonalen Schale plätschert, gehört zu den mächtigsten der Erzdiözese Freiburg.
In seinen Grundmauern ist es das alte Propsteigebäude der Abtei St. Blasien, an welches der Ort 1612 gekommen war. Die frühere Zehentscheuer daneben beherbergt heute den Kindergarten, die Bibliothek und Jugendräume. Auffallend sind die beiden Drachen mit den goldenen Kronen, ehemals Wasserspeier und das Wappen des Abtes Meinrad II auf der Südseite des Pfarrhauses.
Der Hochaltar
Wenn der Besucher durch die geöffneten Umfassungsmauern die Kirche betreten hat, schaut er innerhalb des Windfanges auf eine barocke Pieta aus der Zeit um 1700, umrahmt von einer klassizistischen Holzschnitzarbeit. In kleinen ovalen Schildern sind die sieben Schmerzen Mariens aufgeführt.
Der erste Blick geht sicher auf den barocken Hochaltar, erst 1980 erworben von der Gemeinde Mauenheim im Hegau. In der Nische des Altars steht die Statue der Heiligen Fides, einer schönen alten Holzfigur, die nun seit 25 Jahren ihren endgültigen Platz gefunden hat, nachdem sie über Jahre auf den Kirchenspeicher verbannt war. Den Abschluß des Altares bildet ein Strahlenkranz mit dem IHS Zeichen, dem Monogramm für Jesus. Die drei Buchstaben heißen "Jesus hominum salvator" und werden volkstümlich gerne mit "Jesus Heiland, Seligmacher" gedeutet. Auf den beiden Seiten des Hochaltars stehen die Figuren des Hl. Dominikus und der Hl. Katharina von Siena.
Die Kirchenpatronin
Den meisten Kirchenbesuchern ist die heilige Fides unbekannt. Es gibt nur wenige Kirchen in Deutschland, die der heiligen Fides geweiht sind, darunter Sölden im Schwarzwald. Interessant ist es schon, wie die Verehrung der Heiligen nach Grafenhausen gelangte. Vermutlich war es der Gründer von Grafenhausen, Graf Eberhard III von Nellenburg, der auch das Kloster Allerheiligen in Schaffhausen gegründet hat, dem zweiten einflußreichen Kloster neben St. Blasien. Eberhard hatte eine Wallfahrt nach Santiago de Compostela unternommen und machte dabei Station in Conques in Südfrankreich, wo die Heilige begraben liegt. Die romanische Kirche ist das Zentrum der Fidesverehrung. Im Jahre 1997 feierte die Gemeinde mit einem reichhaltigen Programm 900 Jahr Fidesverehrung.
Geschichtlich ist nur wenig über die heilige Fides bekannt. Die Heilige, deren Gedenktag am 6. Oktober gefeiert wird, hat schon im Alter von 12 Jahren wegen der Treue zum christlichen Glauben ihr Leben als Martyrerin auf einem Feuerrost hingegeben. Auf dem Bild an der rechten Wand des Kirchenschiffes, ein Werk von Konrad Schmieder aus dem Jahr 1890 zeigt wie das Mädchen zum Tode verurteilt wird. Auch der Chorraum mit seinem Gewölbe und dem reichen Stuck enthält ein Gemälde der Hl. Fides aus neuerer Zeit. Das farbige Deckengemälde 1950 gemalt vom Kunstmaler Manfred Schmidt, vermittelt vom Grafenhausener Bürger und späteren Domkapitular Julius Schäuble zeigt neben der Aufnahme der Gottesmutter Maria in den Himmel auch die heilige Fides. Darunter ist das Dorf Grafenhausen mit Kirche und Rathaus zu sehen, welche gleichsam um den Schutz der Gottesmutter und der Hl. Fides bitten.
Marienaltar
Alle, die in der Kirche nach vorne schreiten entdecken erst spät den schönen Seitenaltar im linken, im Jahre 1900 zur Vergrößerung der Kirche angebauten Seitenschiff. Oft bleiben sie lange vor dem Schutzmantelaltar stehen, weil er mit seiner farbigen Fassung viel vom Glanz früherer Zeiten verkündet. Der Entwurf für den ebenfalls 1900 entstanden Altaraufbau und dem Gesprenge im neugotischen Stil stammt von M. Meckel und die Fassung des Altars von C. Schilling. Der Schutzmantelaltar mit dem mächtigen von Engeln über Papst, Kaiser‚ Grafen, Adelige, Kirchenleute, Bäuerinnen und Bettler ausgebreiteten Mantel ist eine Kopie. Das Original, ein holzgeschnitzter Altar, geschaffen von Sixt von Staufen steht in der Locherer Kapelle des Kapellenkranzes im Freiburger Münster. Ein großartiges Werk, aber wenn Kinder den Altar betrachten fragen sie oft und das zu Recht: "Und wo sind die Kinder?" Denn unter denen, die von Maria behütet sind, fehlen die Kinder.
Der Kreuzweg
In fast keiner katholischen Kirche fehlt der Kreuzweg. In St. Fides Grafenhausen beschritt der aus der Gemeinde Grafenhausen stammende Glasmaler Eduard Stritt in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts eigene Wege der Kunst. Schon das Material der 14 Stationen – Majolika – macht den Kreuzweg zu einer künstlerischen Rarität. Zu Herstellung der Majolikamasse verwendete Stritt verschiedenartige Tonmaterialien, die bei einer Hitze von 1200 Grad gebrannt werden. Das entstandene Relief wird dann in alter Unterglasurtechnik mit Schmelzfarben behandelt, glasiert und noch einmal bei etwa 1000 Grad gebrannt. Diese Art der Behandlung läßt die Farben ineinander verschmelzen und so sind 14 Passionsbilder entstanden.
Eigentlich ist es ein Zufall, dass die Kreuzwegbilder in Grafenhausen hängen, denn angefertigt wurden sie für die Kirche St. Patrice in Brooklyn in New York. Monsignore Prälat Friedrich Schlatter, der auch dem Schulzentrum in Grafenhausen seinen Namen geliehen hat, war der Auftraggeber. Er verstarb 1927 noch vor der Auslieferung nach Übersee und so verblieb der Kreuzweg in der St. Fideskirche. Eine Tafel an der Rückwand des Seitenschiffes erinnert an den großen Sohn von Grafenhausen, an Monsignore Friedrich Schlatter, den Vertreter des Bonifatiusvereins in New York. Diese künstlerisch wertvollen Kreuzwegstationen geben wertvolle Anregungen, sich in die Leidensgeschichte Jesu zu vertiefen.
Jährlich am Sonntag nach dem 6. Oktober feiert die Kirchengemeinde das Kirchenpatrozinium und das anschließende Pfarrfest in der Schwarzwaldhalle.
Im Gottesdienst singt die Gemeinde gerne das vom heutigen Dirigent Alois Stiegeler bearbeitete Fideslied:
Erfleh o Fides durchs Gebet, daß alle Tage früh und spät, wir stets dem Dienst des Herrn uns weihn, um ewig einst bei ihm zu sein.“
Text: Josef Haag
Fotos: Kath. Pfarramt St. Fides Grafenhausen
Kapellenweg im Rothauser Land
Offene Kirchen und Kapellen am Wegrand laden dazu ein, zu rasten und innezuhalten. Sie möchten geistliche Räume der Ruhe und Oasen der Stille sein für alle Menschen, die sie aufsuchen. Sie fordern auf zum Verweilen, zum Beten und Betrachten der Glaubenszeugnisse unserer Vorfahren. Es sind Orte zum Auftanken – Kleinode mit oft sehr schöner Ausstattung.
In den letzten Jahren sind in Deutschland einige Kapellenwege in den Urlaubsgebieten entstanden. So auch der Kapellenweg im Rothauser Land, der in zwei Routen durch den Hochschwarzwald rund um die Gemeinde Grafenhausen führt. Die Route A beginnt beim Parkplatz Hüsli in Rothaus und führt an der Kapelle St. Cyriak in Dürrenbühl, St. Maria in Balzhausen, St. Ottilie (Käppeletanne) vorbei und endet wieder beim Parkplatz Hüsli in Rothaus. Die Streckenlänge beträgt 9 km – ein Abstecher zur Josephskapelle in Faulenfürt ist möglich – zusätzlich 3,5 km.
Die Route B beginnt beim Gasthaus Tannenmühle mit Laurentiuskapelle und führt zur Kapelle Hl. Dreifaltigkeit in Igelschlatt, St. Peter und Paul in Seewangen, St. Gallus in Buggenried, St. Augustinus in Mettenberg zum Parkplatz bei der Tannenmühle zurück. Die Streckenlänge beträgt 11,5 km – ein Abstecher nach St. Leodogar in Riedern a.W. (ehemaliges Kloster der Augustinerchorherren) – zusätzlich 7 km.
Im Hochschwarzwald – eine Landschaft in rund 1000 Meter Höhe – war das Leben für die Bewohner in der Vergangenheit oft hart und mühsam. Es gab noch keine Versicherungen gegen Krankheiten, Feuer, Missernten oder andere Schicksale. Hilfe und Heil suchte man im Glauben an den lebendigen Gott und durch die Fürsprache der Heiligen. So wird aus der Geschichte verständlich, dass fern der Pfarrkirche in der weitläufigen Landschaft nach und nach acht Kapellen in den Ortsteilen und Weilern erbaut wurden. Das sind "kleine Gotteshäuser ohne eigene Geistlichkeit". In diesen Kapellen suchte man voll Hoffnung und Vertrauen Hilfe in der Not.
Flyer mit der Weg- und Kapellenbeschreibung liegen in den Kapelle und in der Pfarrkirche in Grafenhausen auf. Sie können auch beim Erzbischöflichen Seelsorgeamt bezogen werden (s.u.). Hier sind auch der Flyer "Offene Kirchen am Bodensee-Radweg" und die Flyer "Wege für Leib und Seele" drei Routen im Feldberggebiet erhältlich.
Text: Albrecht Kollefrath
Fotos: W. Baschnagel, A. Kollefrath, A. Lampe
Kontakt
Erzbischöfliches Seelsorgeamt
Abteilung Pastorale Grundaufgaben
Okenstr. 15
79108 in Freiburg
Siehe auch:
Projekt Offene Kirchen - Brennende Kerzen - Deutende Worte
