Erzbischof Robert Zollitsch in Rom
- 10.03.2010 - "Kultur des aufmerksamen Hinschauens" in Gesellschaft Erzbischof Robert Zollitsch ist in Rom angekommen. Er wird am Freitag (12.3.) mit Papst Benedikt XVI. auch über das Vorgehen der Deutschen Bischofskonferenz gegen die Missbrauchsfälle in Deutschland sprechen.Dem Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg liegen keine Hinweise auf aktuelle Fälle von sexuellem Missbrauch in der Erzdiözese vor. Der Missbrauchsskandal im Kolleg St. Blasien wird vom Jesuitenorden in eigener Zuständigkeit überprüft und aufgearbeitet. Durch die große Aufmerksamkeit für solche Vergehen sind dem Beauftragten der Erzdiözese zur Prüfung der Vorwürfe von sexuellem Missbrauch Minderjähriger, Dr. Eugen Maier, in den zurückliegenden Wochen mehrere Hinweise auf Vorfälle in den Jahren von 1950 bis 1980 mitgeteilt worden. Wie das Erzbistum dazu am Mittwoch in Freiburg erklärte, werden alle Vorwürfe geprüft: "Wir gehen jedem einzelnen Fall nach, sprechen mit den Opfern, bieten Hilfe an und ziehen die - vor allem mit Blick auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen - erforderlichen Konsequenzen. Dies tun wir auch dann, wenn die Taten strafrechtlich bereits verjährt sind". Das Erzbistum ist bereits im Herbst 2009 auf die Staatsanwaltschaft Freiburg zugegangen, um die Fortbildung im Kampf gegen sexuellen Missbrauch zu forcieren. Diese Aktivitäten (mit der bei der Staatsanwaltschaft für Fälle von sexuellem Missbrauch zuständigen Dezernentin) werden im Frühjahr fortgesetzt. Das Ordinariat in Freiburg verweist auf die von Erzbischof Zollitsch angeordnete sachliche und umfassende Aufklärung - "auch wenn uns Vorfälle gemeldet werden, die schon lange zurückliegen. Die Opfer haben ein Recht darauf". So setze die Erzdiözese die Beschlüsse der Deutschen Bischofskonferenz konsequent um und gebe ihre Erfahrungen sowie Materialien zur Prävention auch an andere Institutionen weiter.
Schulen und Verbände interessiert an Prävention im Erzbistum
Die im Erzbistum Freiburg etablierte Präventionsarbeit zum Schutz vor sexuellem Missbrauch gilt nach Ansicht externer Fachleute als vorbildlich. Mit der Fachgruppe "Schutz vor sexueller Gewalt" wurden in der Erzdiözese Standards geschaffen, die dafür sorgen sollen, dass Gruppenstunden, Ferienfreizeiten und alle anderen Veranstaltungen der Jugendarbeit und Kirche sichere Orte für Kinder und Jugendliche sind. Denn kirchliche Jugendarbeit soll Heranwachsenden Räume bieten, in denen sie sich entfalten können: "Deshalb gehen wir aktiv und präventiv gegen Grenzverletzungen, Übergriffe und Missbrauch vor." Im Januar 2009 hatte eine Fachgruppe aus Jugendverbänden, Jugendbüros und Fachstellen Materialien zum Schutz vor sexueller Gewalt vorgelegt. Diese Materialien werden in der Gruppenleiterausbildung, bei der Einstellung neuer hauptamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie in der Ausbildung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Seelsorge eingesetzt. Ziel ist, Kinder und Jugendliche zu stärken und Verantwortliche zu sensibilisieren. Das Erzbistum registriert seit Wochen ein starkes Interesse an diesem Präventionskonzept sowie den Materialien: Auch nichtkirchliche Schulen, Sport- und Jugendverbände sehen sich nun herausgefordert, im Kampf gegen Missbrauch ähnliche Strategien und Materialien zu entwickeln. Weitere InformationenSelbstverpflichtung: "Wir gehen aktiv und präventiv gegen Grenzverletzungen und Übergriffe vor"
Im Internet ist auch die Selbstverpflichtung nachzulesen, die alle unterzeichnen und umsetzen sollen, die in der Erzdiözese Freiburg Verantwortung in der Kinder- und Jugendarbeit übernehmen. Darin heißt es: "Ich schütze die mir anvertrauten Kinder und Jugendlichen vor körperlichem und seelischem Schaden, vor Missbrauch und Gewalt (...) Ich gehe achtsam und verantwortungsbewusst mit Nähe und Distanz um. Individuelle Grenzen von anderen respektiere ich. Dies bezieht sich insbesondere auf die Intimsphäre von Kindern und Jugendlichen (...) Ich beziehe gegen diskriminierendes, gewalttätiges und sexistisches Verhalten, ob in Wort oder Tat, aktiv Stellung (...) Ich bin mir bewusst, dass jede sexuelle Handlung mit Schutzbefohlenen disziplinarische und gegebenenfalls strafrechtliche Folgen hat." - Die Schulstiftung des Erzbistums Freiburg verweist ebenfalls auf ihre Erfahrung in der Präventionsarbeit: Durch die erhöhte Sensibilität - auch in Ministerien, staatlichen Schulen und nichtkirchlichen Verbänden - sowie einen verstärkten Erfahrungsaustausch könne die aktuelle Diskussion zu einer systematischeren Vorbeugung und so zu einem verbesserten Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch in der gesamten Gesellschaft beitragen.
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